Klimaanpassung auf verschiedenen räumlichen Ebenen

Die hohe Frequenz mit der die Schlagwörter Klimawandel und Klimaschutz sowohl in den aktuellen politischen als auch öffentlichen Debatten auftauchen, zeigt die Brisanz der Thematik. Planerisches Handeln ist für die Reduzierung der Vulnerabilität sowie den gezielten Aufbau von Klimaschutz- und Anpassungskapazitäten gegenüber den Einwirkungen des Klimawandels von zentraler Bedeutung (vgl. Stern 2006, IPCC 2007). Auch die Studie der Weltbank „The Global Monitoring Report 2008", die den Klimawandel und die Millenniumsentwicklungsziele zum zentralen Gegenstand hat, kommt zu dem Schluss, dass ein wesentliches Handlungsfeld für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels die Entwicklung adaptiver Stadtentwicklungs- und Urbanisierungs­programme ist (vgl. World Bank 2008).

Bei Klimaanpassungsstrategien sollte zumindest zwischen EU-, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene differenziert werden.

Entwicklungen im Rahmen einer Klimaanpassungsstrategie auf europäischer Ebene:

In der Territorialen Agenda der EU (EU Kommission 2007) heißt es unter der territorialen Priorität 5: „(23) Gemeinsame, regionsübergreifende und integrierte Ansätze zum Umgang mit Umweltrisiken, zur Vermeidung und Minimierung von Treibhausgasemissionen sowie Strategien zum Umgang mit den regional unterschiedlichen Folgen des Klimawandels müssen erarbeitet werden. Hierzu ist die Politik des territorialen Zusammenhalts auch im Hinblick auf die Folgen regional differenzierter Anpassungsstrategien an den Klimawandel weiter zu entwickeln und zu intensivieren."

Im Weißbuch der EU-Kommission „Anpassung an den Klimawandel: Ein europäischer Aktionsrahmen" (EU Kommission 2009) wird auf Raumordnung bzw. Raumentwicklung durchaus prominent eingegangen: „Wetterextreme haben enorme wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. Sie schädigen Infrastrukturen (im Bau-, Verkehrs-, Energie- und Wasserversorgungssektor) und stellen besonders für dicht besiedelte Gebiete eine Gefahr dar. Durch den Anstieg des Meeresspiegels könnte sich die Lage verschlimmern. Für terrestrische Gebiete und Meeresgebiete wird ein strategischeres, langfristig angelegtes Raumplanungskonzept notwendig sein."

 

Entwicklungen im Rahmen einer Klimaanpassungsstrategie auf nationaler Ebene:

Auf nationaler Ebene ist die vom Bundeskabinett am 17. Dezember 2008 beschlossene „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel" zu nennen. Sie soll durch den Aktionsplan Anpassung ab Frühjahr 2011 ergänzt und konkretisiert werden. In der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel heißt es: „Räumliche Planung kann mit den bereits bestehenden rechtlichen und planerischen Instrumenten sowohl Klimaschutz als auch Anpassung unterstützen. Möglicherweise häufiger auftretende Naturgefahren können dazu führen, dass natürliche Ressourcen nur noch eingeschränkt genutzt werden können. Gleichzeitig besteht ein hoher Nutzungsdruck, da Anpassungsmaßnahmen oft ebenfalls Raum beanspruchen. Die Raumplanung kann mit der Entwicklung von Leitbildern für anpassungsfähige und belastbare (resiliente) Raumstrukturen eine Vorreiterrolle übernehmen, die gegenüber den Auswirkungen aller gesellschaftlichen Veränderungsprozesse auf die Raumstruktur robust und flexibel reagiert" (Bundesregierung 2008: 42). Diesem Verständnis folgend werden auch von der Bauministerkonferenz Klimaschutz, Klimaanpassung und der demographische Wandel als untrennbare Elemente einer integrierten Stadtentwicklung angesehen (ARGEBAU 2008).

 

Entwicklungen im Rahmen von Klimaanpassungsstrategien auf Länder- und regionaler Ebene:

Neben der Bundesregierung haben auch einzelne Bundesländer eigene Anpassungsstrategien entwickelt und Forschungsprojekte initiiert (vgl. für einen Überblick www.anpassung.net).

Darüber hinaus werden vom BMVBS/BBSR "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel" ("KlimaMoro") als Modellvorhaben der Raumordnung gefördert. Die acht Modellregionen sollen regionale Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien auf Basis des raumordnerischen Instrumentariums in acht Modellregionen entwickeln. Im Fokus stehen die Erarbeitung von Vorschlägen zur Weiterentwicklung des raumordnerischen Instrumentariums und die Stärkung der Position der Regionalplanung in Regional Governance u.a. durch den Aufbau regionaler Netzwerke zum Thema Klimawandel. Sie sollen eine regionale Klimawandelstrategie formulieren und erste Umsetzungsschritte durchführen (www.klimamoro.de).

 

Entwicklungen im Rahmen von Klimaanpassungsstrategien auf kommunaler Ebene:

Vom BMVBS/BBSR werden im Rahmen des ExWoSt-Programms Modellvorhaben zum Thema "Klimawandelgerechte Stadtentwicklung - Ursachen und Folgen des Klimawandels durch urbane Konzepte begegnen". Ziel der neun Modellkommunen ist es, entsprechende stadtregionale Strategien und Aktionen zu erarbeiten und umzusetzen. Ab Ende 2009 bis März 2010 sollen in Modellvorhaben urbane Konzepte zum Klimawandel erprobt werden (StadtklimaExWoSt).